In der Grauzone – Männer und Haarefärben

Kaum zeigt sich das erste graue Haar, verabschieden sich viele noch so harte Kerle hoffnungslos in die Midlife-Crisis. Dann wird gepumpt, gedetoxt und zur Haartönung gegriffen. Dabei gehört der jung ergraute George Clooney doch schon jeher zu den sexiest men alive. „Ich liebe meine grauen Haare“ – hört man ihn immer wieder ausposaunen, während dem er sich lasziv durch seine silberne Mähne fährt und die Frauenwelt nur so dahinschmachtet.

Und dennoch stellt sich für viele verzweifelte Männer die Frage, ob es denn tatsächlich nur seine graue Haarpracht ist, die ihn so unwiderstehlich macht?

@ 3D Visual: www.corporate-interaction.com

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Männerwelten

Fakt ist: Kein Mann würde sich freiwillig für graue Haare entscheiden. Und deswegen wird vielerorts fleißig zum Drogeriemarkt gerannt um den ersten Anzeichen der vermeintlich verblassenden Männlichkeit den Gar aus zu machen. Hersteller für Haarkosmetik haben sich diese Urangst längst zu Eigen gemacht und bieten auf ihren Homepages sogar „Glatzenrechner“ an, mit Hilfe der User sein persönliches „Glatzenrisiko“ erfahren kann und, nachdem er dieses bei Facebook geteilt hat, zwischen den Trostgewinnen Haarausfallshampoo und Grauabdeckung wählen kann. Interessant auch, dass Werbungen für Haarfärbemittel bei Männer immer damit auftrumpfen, dass die ganze Prozedur nur zwei bis drei Minuten dauert. Damit gar nicht erst Gedanke aufkommen kann: Was zum Henker mache ich hier eigentlich?

Seitenblick: Damenwelten

Gleiches gilt für die Damenwelt: Wer nicht färbt, bleibt auf der Strecke und hat sich „sicherlich schon längst aufgegeben“. Auch und gerade deswegen, weil für Frauen die Gefahr mit grauen Haaren nicht zu punkten, deutlich höher ist, als für Männer. Also wird getönt, gesträhnt und coloriert, was das Zeug hält, schließlich ist die mit akribischer Genauigkeit vollzogene Einfärbung jedes noch so kleinen grauen Haars das Workout einer ganzen Generation. Man putzt sich brav die Zähne, geht regelmäßig zum Arzt und färbt sich die Haare, – ohne Kompromisse.

Sicherlich sollte man hierbei nicht vergessen, dass gerade Färbefans im Alter von 50 & 60Plus Zeugen einer alltagschemischen Revolution waren, für die Tönungsmittel genauso populär und trendy waren, wie Mikrowellenessen, TrimmDich-Pfade und Psychopharmaka. Chemie war einfach cool, Studien über Langzeitschäden gab es schließlich nicht.

„Lass das Grau raus“ – aber bitte mit Würde

Heutzutage sehnen sich viele Menschen nach Natürlichkeit. Wir wollen authentisch sein – auch und gerade deswegen, als da das Netz unserer Umwelt immer künstlicher, anonymer und unechter zu werden scheint. Aufgehellte Stimmung mit Fastfood und „Kleopatra-Schwarz“? Diese Zeiten sind vorbei.

Von nun an also alles wuchern lassen? Oh nein, das wäre ein typisches Eigentor in Sachen Schönheit. Viel wichtiger, als die perfekte Grauabdeckung ist meiner Meinung nach ein schöner und typ-entsprechender Haarschnitt, der einen gepflegt, dynamisch und frisch erscheinen lässt. Passend hinzu kommt ein schön geschnittener Bart und um Gottes Willen keine zusammengewachsenen Augenbrauen, aber das ist ein anderes Thema.

Wer früher färbt, bleibt länger…?

Und wer sein graues, gepflegtes Haar nicht typentsprechend findet, darf am Ende doch getrost zur Tönung greifen. Natürlichkeit ist das A und O und nur die richtige Farbnuance macht den natürlichen Effekt möglich. Dabei ist es auch selbstverständlich, dass man hierbei nicht die Haarfarben-Vorratskammer der Liebsten plündert, sondern zu einer Farbe greift, die speziell für Männerhaar entwickelt wurde. Denn ein Produkt, das bei Frauenhaaren wunderbar natürlich wirkt, kann bei Männern schnell nach Plastik aussehen. Deswegen ist es meist besser, sich bei der Entscheidung zwischen zwei Farbtönen für die hellere Variante zu entscheiden, tendieren wir grundsätzlich dazu, unsere eigene Haarfarbe dunkler einzuschätzen.

Ob natürlich ergraut oder künstlich gefärbt, am Ende bleibt zu sagen: Männer und Colorationen sind ein spezielles Thema, doch der neue Mann von heute hat definitiv keine Angst mehr vor dem Alter und sollte zu sich und seinen möglichen Farb-Taten stehen, denn wenn makellos schwarzes oder platinblondes Haar ganz offensichtlich nicht im Verhältnis zur äußerlichen Resterscheinung stehen, kann man nur ahnen: Hier stimmt etwas nicht.

 

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Author: Martin Ehmele

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