Kommentar: Die Lage verschlechtert sich massiv, deshalb „business as usual“!

© Visual: www.corporate-interaction.com

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Im Durchschnitt  ist der Auftragseingang bzw. der Umsatz im 1. Quartal 2014 gegenüber dem 1. Quartal 2013 wertmäßig um 1,6 % gesunken. „Gewerbebetriebe sind zu 80 Prozent vom privaten Konsum abhängig, der leider rückläufig ist“, stellt Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der NÖ Wirtschaftskammer, fest. Der WIFO-Frühindikator zeigt in der aktuellen Berechnung nun deutlich nach unten.

Bei Gewerbe und Handel – ein Wandel!?

Der neuste Konjunkturbericht der KMU Forschung für das vergangene 2. Quartal 2014 zeichnet nicht gerade ein optimistisches Bild über die Lage von Gewerbe und Handel. Im Durchschnitt  ist der Auftragseingang bzw. der Umsatz im 1. Quartal 2014 gegenüber dem 1. Quartal 2013 wertmäßig um 1,6 % gesunken. 16 % der Betriebe meldeten Steigerungen um durchschnittlich 15,2 %. Bei 57 % der Betriebe lag der Auftragseingang auf Vorjahresniveau. 27 % der Betriebe verzeichneten einen Rückgang um durchschnittlich 17,2 %. Das Gewerbe und Handwerk hat sich damit schlechter entwickelt als andere Sektoren der Österreichischen Wirtschaft. Der Bericht resümiert: „Im Vergleich zum Vorquartal hat der Pessimismus zugenommen.“

Pressemeldung Niederösterreichische Gewerbe- und Handwerksbetriebe

Dazu passt folgende Pressemeldung der Niederösterreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe: Weil die Kaufkraft stagniert, erhalten die Unternehmen nicht genug Aufträge und machen zu wenig Geschäft. „Gewerbebetriebe sind zu 80 Prozent vom privaten Konsum abhängig, der leider rückläufig ist“, stellt Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der NÖ Wirtschaftskammer, fest. Die Firmen bräuchten dringend konjunkturbelebende Maßnahmen.

Die Ursache wurde sofort dingfest gemacht: „Wir verlangen eine Senkung des Einkommenssteuersatzes auf 25 Prozent, der Lohnnebenkosten sowie der Sozialversicherungsbeiträge“, ruft Scheichelbauer-Schuster nach Entlastung, die speziell kleinen und mittleren Betrieben helfen würde. Während nämlich in Österreich die Arbeitskosten überproportional steigen, sinken andererseits die Reallöhne – und das schon durchgehend seit dem Jahr 2000. „Pro Beschäftigtem ist das nominelle Einkommen um 31 Prozent gestiegen, real jedoch um zwei Prozent geschrumpft“, rechnet die Spartenobfrau vor.

WIFO Pessimismus

Das WIFO schreibt in seiner jüngsten Prognose vom 03.07.2014: Der WIFO-Frühindikator zeigt in der aktuellen Berechnung nach einer Seitwärtsbewegung in den beiden Vormonaten nun deutlich nach unten. Die Abwärtsbewegung wird von fast allen Teilkomponenten des Indikators hervorgerufen. Vor allem die Vertrauensindikatoren für den Bau und die Sachgüterindustrie hatten sich gegenüber dem Vormonat deutlich verschlechtert. Im Gegensatz zu den Vormonaten weisen nun auch die internationalen Teilindikatoren nach unten.

Dass die Einkommenssteuer die Umsatzsteuer als wichtigster Geldbringer für den Staatsapparat abgelöst hat, ist mittlerweile auch schon hinlänglich bekannt.

Deutlich höhere Arbeitslosigkeit in Oberösterreich und Wien!

Das klassische Industrieland Oberösterreich verzeichnete im Juni einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 20,8% oder 5.508 Personen und ist mit Wien, das überhaupt den höchsten Anstieg in Österreich mit 21,3% oder 17.487 Personen aufweist, in schlechter Gesellschaft.

Die Liste an negativen Meldungen ließe sich mit wenig Rechercheaufwand noch weiter verlängern. Bedenklich an der Situation erscheint mir, dass kein finanzieller Handlungsspielraum und vor allem kein Wille besteht an der Situation etwas zu ändern.

Verantwortungsbewusste UnternehmerInnen reagieren – der Staat macht business as usual

Eben genannte Schreckensmeldungen ließen UnternehmerInnen nichts unversucht,  die Dinge wieder ins Lot zu bringen vor allem wenn die Ursachen so klar erkennbar auf dem Tisch liegen.

Doch was macht das offizielle Österreich? Business as usual! Sprich Lobhudeleinen auf das scheinbar erreichte Gute in diversen gedruckten (gratis) Massenpostilen, Streiten über die Reichensteuer, Bildungsreform, Pensionsreform, Verwaltungsreform, Bundesstaatsreform, Föderalismusreform, Justizreform, … .

Der Blick auf das Detail

Renate Scheichelbauer-Schuster vertritt laut WKO Website 200.000 Betrieb mit mehr als 600.000 MitarbeiterInnen. Sie ist ein führendes Mitglied des Wirtschaftsbundes. Sie ist damit eine machtvolle Persönlichkeit in einer der gewichtigen Teilorganisationen in der Wirtschaftspartei ÖVP. Die von ihr vertretenen Betriebe machen zusammengerechnet doch 75 Milliarden Umsatz, das ist der vielbeschorene Mittelstand. Sie nennt uns in der Presseaussendung auch, was ihrer Meinung nach zu tun wäre. Da kann ich nur zustimmen. Die ÖVP ist an der Macht, zugegeben mit einem Koalitionspartner SPÖ. Der ist aber in der Sache, glaubt man der öffentlichen Bereichterstattung, nicht allzu weit entfernt von der Position von Frau Scheichelbauer-Schuster. Und was passiert? Eben! 🙁

Was meinen Sie als UnternehmerIn dazu?

 

Quellen:

KMU Forschung Konjunturberichte

Pressemeldung Niederösterreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe

WIFO Frühindikatoren

AMS Monatsbericht (PDF)

 

 

 

 

 

Author: Thomas Nasswetter

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